Datenskandal bei okcupid: dating-app verkauft nutzerdaten an gesichtserkennungsfirma – ohne zustimmung
Die Dating-App OkCupid hat Millionen von Nutzerdaten an die Firma Clarifai verkauft, die sich auf Gesichtserkennung spezialisiert hat. Die Nutzer waren nicht darüber informiert und hatten keine Möglichkeit, der Datenweitergabe zu widersprechen. Die Bundeskartellbehörde hat den Fall zwar nicht geahndet, doch die Privatsphäre der Nutzer wurde massiv verletzt.

Millionen fotos und standortdaten betroffen
Die Social-Dating-Plattform, die zu Match Group gehört – einem Unternehmen, das auch Tinder, Hinge und Plenty of Fish besitzt – übergab fast drei Millionen Fotos und Standortdaten an Clarifai. Diese Praxis verstößt gegen die Datenschutzrichtlinien von OkCupid, die versichern, dass persönliche Daten nicht an Dritte weitergegeben werden, ohne die Zustimmung der Nutzer.
Die Bundeskartellbehörde stellte fest, dass OkCupid versucht habe, die Untersuchung zu behindern und trotz Beweisen die Verbindung zu Clarifai abgestritten habe. Einige Führungskräfte von OkCupid hatten jedoch in die Firma für künstliche Intelligenz investiert.
Die Entscheidung der Bundeskartellbehörde, keine Geldstrafe zu verhängen, wird als eine Art Straffreiheit gewertet. Stattdessen muss OkCupid sich verpflichten, keine falschen Informationen zu verbreiten und keine privaten Daten zu kommerziellen Zwecken zu nutzen. Ein vergleichsweise leichter Schlag für ein Unternehmen, das potenziell sensible Daten von Millionen von Menschen missbraucht hat.
Die Bundeskartellbehörde begründet ihre Entscheidung damit, dass die Datenschutzverletzung auf einen Vorfall aus dem Jahr 2014 zurückgeht. Die Nutzerdaten wurden damals an Clarifai weitergegeben, ohne dass diese klare Richtlinien für die Datennutzung hatten. Die Behörde sieht sich in der Zwickmühle, da eine hohe Geldstrafe die Geschäftstätigkeit von OkCupid weiter beeinträchtigen könnte.
Ein düsterer Nebenaspekt: Eine ältere Dame verbrachte fünf Monate im Gefängnis, weil eine KI sie mit einer Betrügerin verwechselte. Die Behörden vertrauten der Maschine anstatt der Frau. Dieser Vorfall zeigt, wo die heutige Technologie uns führt – und wie leicht die Privatsphäre verloren gehen kann.
OkCupid selbst zeigte sich erfreut über die Entscheidung und betonte, dass die Datenschutzpraktiken in den letzten Jahren deutlich verbessert worden seien. Doch die Tatsache, dass eine Dating-App ohne Zustimmung von Millionen Nutzer Daten an eine Firma verkaufte, die Gesichtserkennung betreibt, wirft ernsthafte Fragen nach dem Schutz persönlicher Daten im digitalen Zeitalter auf.
Die Entscheidung der Bundeskartellbehörde ist ein Signal. Sie zeigt, dass datenschutz zwar wichtig ist, aber die Durchsetzung oft ausbleibt. Die Nutzer müssen sich bewusst sein, welche Daten sie preisgeben, und die Risiken der Nutzung von Online-Dating-Plattformen kennen.
Die Rückkehr zur Privatsphäre ist ein langer Weg. Und die Technologie wird uns nicht helfen, sie zurückzugewinnen.
