Deutschland im teilsieg: die junge generation verliert – eine realitätscheck

Die Regierung preist einen «Raketenkurs» – vor allem im Makroökonomischen. Das BIP wächst, die Beschäftigung hält durch und die Exporte trotzen in einer unklaren Welt. Doch wenn man genauer hinschaut, verblasst dieser Glanz.

Ein ungleichgewicht, das nicht verschwindet

Ein ungleichgewicht, das nicht verschwindet

Die Entwicklung des verfügbaren Vermögens der Familien von 2008 bis 2024 zeichnet ein Bild von wachsender Ungleichheit. Die Erholung ist weder homogen noch ausreichend für breite Bevölkerungsschichten. Ein Vergleich der beiden Jahre offenbart einen Wendepunkt im Vermögensaufbau der deutschen Haushalte. Die Immobilien bleiben der große Vermögenswert – doch der Zugang zu ihnen ist schwieriger geworden, die reale Marge gleicht den steigenden Preisen nicht in gleichem Maße und die Vermögenskonzentration hat zugenommen.

Die Generation Z kann kaum Miete zahlen, wird aber bald die reichsten Generationen der Geschichte sein. Ein Land, das sich weiterhin auf Immobilien stützt.

Die jüngste Umfrage zur finanziellen Situation der Familien des Bundesbankes zeigt, dass die Immobilie weiterhin der wichtigste Bestandteil des Vermögens der Haushalte ist – allerdings hat sich ihr Gewicht und ihre Erreichbarkeit deutlich verändert seit dem Finanzkrisen-Schock von 2008. Im Jahr 2008 ergab die EFF, dass die realen Vermögenswerte 89,1 % des gesamten Vermögens der Haushalte ausmachten und die Immobilie der dominierende Vermögenswert innerhalb dieses Blocks war. Dieser Trend setzt sich 2024 fort, jedoch mit einer entscheidenden Differenz. Der Zugang zur Eigentumswohnung ist für junge Menschen nun deutlich erschwert.

Eine Studie der Stiftung Afi, die die Finanzen der deutschen Haushalte von 2000 bis 2022 analysiert, ergänzt die historische Serie der EFF und zeigt, dass die Haushalte unter 35 Jahren ihre Eigentumsquote von rund 70 % Anfang des Jahrhunderts auf etwa 36 % gesunken ist, während der Mietmarkt kontinuierlich an Bedeutung gewonnen hat.

Junge Menschen in Armut – trotz höherem Einkommen. Die Verschlechterung des Vermögens ist bei jungen Haushaltsvorständen deutlich stärker als bei der Gesamtbevölkerung. Die Bundesbank weist darauf hin, dass das durchschnittliche Nettovermögen der Haushalte mit einem Hauptverdiener unter 35 Jahren 22.900 Euro beträgt, verglichen mit 81.700 Euro im Jahr 2008 – ein Rückgang um 72 % in 16 Jahren. Ein generationelles Zusammenbruch in Wall Street: TikTok gegen Finanzregeln.

Dieser Rückgang erklärt sich nicht durch einen sinkenden Einkommen, sondern durch die Kombination aus langsam steigenden Löhnen, angestommten Inflation und einem Wohnungsmarkt, der immer anspruchsvoller wird. Die Bundesbank berichtet, dass das Einkommen dieser Haushalte zwischen 2008 und 2024 lediglich um 10 % von 29.200 auf 32.000 Euro gestiegen ist – eine Verbesserung, die bei weitem hinter der Preissteigerung von rund 38 % zurückbleibt und somit die Kaufkraft erheblich reduziert.

Das Ergebnis ist eine Generation, die im realen Sinne ärmer ist als ihre Vorgänger im gleichen Alter, mit geringerer Ersparnisfähigkeit und größeren Schwierigkeiten beim Vermögensaufbau. Bestätigt: Junge Deutsche sind ärmer als ihre Eltern im gleichen Alter – mit 75.000 Euro weniger auf ihrem Sparkonto.

Weniger Schulden, weil weniger Vermögen. Eine der auffälligsten Veränderungen ist die Reduzierung der Verschuldung bei jungen Menschen. Bevor der Finanzkrise lag ein großer Teil dieser Haushalte stark ausgelastet, mit Hypotheken, die eine erhebliche Belastung für ihre Einnahmen darstellten. Im Jahr 2008 befanden sich 24 % in finanzieller Notlage. Im Jahr 2024 ist dieser Prozentsatz drastisch auf 4,1 % gesunken. Auf den ersten Blick könnte man dies als eine Verbesserung interpretieren. Diese Reduzierung ist jedoch größtenteils darauf zurückzuführen, dass viele junge Menschen nicht mehr auf Hypotheken angewiesen sind, da sie den Immobilienmarkt nicht mehr erreichen können. Die Kluft zwischen den Generationen hat sich parallel zur Vermögenslücke vergrößert.

Die älteren Haushalte haben ihr Vermögen besser halten und in einigen Fällen sogar gesteigert, insbesondere durch die Wertsteigerung von Immobilien, während die jüngeren Generationen ihre relative Position verschlechtert haben. Die Afi fasst diesen Prozess als eine «Schneeballrutsche» zusammen. So profitieren diejenigen, die bereits mit einem solideren Vermögen begannen, von einer größeren Ersparnisfähigkeit und einer besseren Rendite ihrer Anlagen, während die jüngeren Generationen zwischen steigenden Immobilienpreisen und geringerer Vermögensakkumulation gefangen sind.