Goldverkauf als rettungsanker? polen erwägt drastische maßnahme für militärfinanzierung

Polen steht vor einer ungewöhnlichen Entscheidung: Um sein wachsendes Verteidigungsbudget zu finanzieren, erwägt das Land, einen Teil seiner Goldreserven zu verkaufen. Die Maßnahme kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die globale Verteidigungsausgaben auf einen neuen Höchststand gestiegen sind und die Diskussion um die Erhöhung der Militärausgaben in der NATO weitergeht.

Goldreserven sollen die finanzierung der verteidigung sichern

Die Weltweite Militärausgaben stiegen im Jahr 2025 um 2,5 Prozent auf 2,63 Billionen Dollar, wie das Institut für Internationale Strategische Studien (IISS) in seinem Bericht „Military Balance 2026“ mitteilte. Besonders auffällig ist das Wachstum in Europa, wo der Anteil der europäischen Länder am globalen Verteidigungsausgaben von 16,8 % im Jahr 2022 auf 21,4 % im vergangenen Jahr stieg. Die USA führen mit 968 Milliarden Dollar weiterhin die Liste an. Doch Polen, das sein Verteidigungsbudget seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine im Jahr 2022 deutlich erhöht hat, sucht nach neuen Wegen, um die Finanzierung sicherzustellen.

Das Land plant, im Jahr 2026 ein Verteidigungsbudget von 4,8 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auszugeben – rund 34,6 Milliarden Dollar. Allerdings finanzieren derzeit fast 37 % dieser Ausgaben Kredite aus dem Fonds zur Unterstützung der Streitkräfte, einem außerhaushaltlichen Instrument zur Beschleunigung der Modernisierung. Diese Entwicklung führt zu einem rapiden Anstieg des strukturellen Haushaltsdefizits.

Um die finanzielle Lage zu verbessern, hat der polnische Notenbankpräsident Adam Glapiński die Veräußerung eines Teils der Goldreserven vorgeschlagen. Demnach könnten 11,215 Milliarden Euro aus den Reserven generiert werden, ergänzt durch weitere 2,804 Milliarden Euro aus anderen Quellen. Insgesamt könnte die Zentralbank somit 14,019 Milliarden Euro für Verteidigungsprojekte bereitstellen.

Spaltung im politischen lager und rechtliche hürden

Der Vorstoß stößt jedoch nicht ungeteilter auf Zustimmung. Präsident Andrzej Duda steht im Konflikt mit der Regierung, die die Nutzung der Goldreserven ablehnt. Stattdessen befürwortet er die Annahme von Mitteln aus dem Programm für Sicherheitshandlungsmaßnahmen für Europa (SAFE) der Europäischen Union. Der Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz hat die Regierung aufgefordert, SAFE zu akzeptieren. Die Entscheidung über die Teilnahme an SAFE muss bis zum 20. März getroffen werden.

Rechtliche Bedenken bestehen ebenfalls. Die polnische Zentralbank darf nach geltendem Recht nicht direkt den Staat finanzieren. Eine Veräußerung der Goldreserven könnte zwar zu einer Erhöhung der Reserven führen, doch diese dürfen nicht zur Deckung des Haushaltsdefizits eingesetzt werden. Die aktuelle Gesetzgebung sieht vor, dass die Zentralbank in Abstimmung mit dem Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Reserven, einschließlich des Goldes, verwalten kann, ohne eine vorherige parlamentarische Abstimmung.

Die Veräußerung von Goldreserven ist für Spanien theoretisch möglich, aber praktisch schwierig. Spanien verfügt über etwa 281 Tonnen Gold, die jedoch im Vergleich zum BIP und den Ausgaben anderer europäischer Länder relativ gering sind. Spanien gibt derzeit etwa 33,123 Milliarden Euro für seine Verteidigung aus – was etwa 2 % des BIP entspricht. Die USA fordern von ihren NATO-Partnern eine Erhöhung auf 5 % des BIP. Die Veräußerung von Goldreserven wäre in Spanien rechtlich kompliziert, da die Bank of Spain nach EU-Recht nicht direkt den Staat finanzieren darf.

Die Entscheidung Polens zeigt, wie die geopolitische Lage und der Krieg in der Ukraine die Verteidigungspolitik vieler Länder beeinflussen. Die Frage, wie die Finanzierung dieser Ausgaben langfristig sichergestellt werden kann, bleibt eine Herausforderung. Die Veräußerung von Goldreserven könnte ein Signal sein, dass die staatlichen Finanzen an ihre Grenzen stoßen.