Krieg im nahen osten: wasserknappheit verschärft konflikt – und bedroht datencenter

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist in seine zweite Woche getreten, und die Folgen könnten verheerend sein. Während die globale Wirtschaft bereits unter den Angriffen im Nahen Osten leidet, droht nun auch eine kritische Versorgungslage mit Trinkwasser. Die Situation in Teheran spitzt sich zu: Seit November kämpft die iranische Hauptstadt mit einer akuten Wasserknappheit, die kurz vor dem sogenannten „Nulltag“ steht – einer Situation, in der ohne massive Maßnahmen eine Evakuierung der Stadt unvermeidlich wäre.

Angriffe auf energieinfrastruktur gefährden desalination

Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Iran stellen eine direkte Bedrohung für die zahlreichen Desalinationsanlagen dar, die das Land betreiben. Diese Anlagen, oft in der Nähe von Kraftwerken gelegen, sind lebensnotwendig, da sie einen Großteil der Trinkwasserversorgung sichern. Ein Ausfall könnte die Wasserversorgung von Millionen Menschen gefährden.

Die zunehmende Abhängigkeit von der Desalination ist ein weitverbreitetes Phänomen im Nahen Osten. Länder wie Kuwait (90 %), Oman (86 %), Saudi-Arabien (70 %) und die Vereinigten Arabischen Emirate (42 %) sind stark auf diese Technologie angewiesen, um ihre wachsende Bevölkerung und ihre Ambitionen als Wirtschafts- und Tourismuszentren zu befriedigen. Doch diese Abhängigkeit macht sie anfällig für geopolitische Spannungen.

Die Investitionen großer Technologiekonzerne in die Region sind enorm. Microsoft plant Investitionen in Höhe von 15,2 Milliarden US-Dollar in den Vereinigten Arabischen Emiraten zwischen 2023 und 2029. Amazon Web Services will über 5,3 Milliarden US-Dollar in eine neue Rechenzentrum-Region investieren. Auch Google Cloud und der Public Investment Fund Saudi Arabiens haben jeweils 10 Milliarden US-Dollar angekündigt, Oracle plant 1,5 Milliarden US-Dollar für die Expansion seiner Cloud-Infrastruktur in Saudi-Arabien. Diese Expansionen sind jedoch stark von einer zuverlässigen Wasser- und Energieversorgung abhängig.

Rechenzentren sind immense Wasserverbraucher. Ein großes Rechenzentrum kann täglich bis zu 19 Millionen Liter Wasser benötigen – das entspricht dem Verbrauch einer Stadt mit 50.000 Einwohnern. Iran ist mit 93 Millionen Einwohnern das vierzehnte wasserbedrohteste Land weltweit. Über vier Fünftel der Bevölkerung leiden unter extrem hohem Wasserstress, wie die Wasser-Sicherheitsanalystin Liz Saccoccia vom World Resources Institute berichtet. Die Eskalation des Konflikts stellt eine unmittelbare Gefahr für diese kritische Infrastruktur dar.

Die Konsequenzen reichen über technologische Störungen hinaus. Ein längerer Krieg könnte zu einer humanitären Krise führen, da der Zugang zu sauberem Trinkwasser immer schwieriger wird. Die Stabilität des gesamten digitalen Ökosystems im Nahen Osten steht somit auf dem Spiel. Wasser ist hier mehr als nur eine Ressource – es ist ein strategisches Gut, dessen Kontrolle im Zentrum des Konflikts steht.