Militär investiert milliarden in 3d-druck – ukraine-krieg als katalysator

Die Notwendigkeit, Kosten zu senken und militärische Ausrüstung schnell verfügbar zu machen, ist für Armeen weltweit von höchster Priorität. Das gilt insbesondere für die USA, die nach dem Konflikt mit dem Iran teuer erkämpft wurden. Immer mehr Streitkräfte suchen nach günstigeren Waffen, ohne dabei die Effektivität oder Kampfkraft zu beeinträchtigen. Hier kommt der 3D-Druck ins Spiel – und er wird massiv gefördert.

Us-verteidigung setzt auf additive fertigung mit 3,3 milliarden dollar

Us-verteidigung setzt auf additive fertigung mit 3,3 milliarden dollar

Das US-Verteidigungsministerium beschleunigt derzeit die Investitionen in den 3D-Druck. Im Rahmen der Budgetpläne für dieses Jahr sind 3,3 Milliarden Dollar für Additive Fertigung vorgesehen – ein Anstieg der Finanzierung um beachtliche 83 % im Vergleich zum Fiskaljahr 2025. Analysten prognostizieren ein kontinuierliches Wachstum bis Ende des Jahrzehnts, da Militärorganisationen die digitale Fertigung für Wartung, Lieferkettenresilienz und Modernisierung ausweiten.

Ein US-amerikanisches Unternehmen nutzt KI-gestützten 3D-Druck, um unbemannte militärische Schiffe zu produzieren. Diese Technologie, die längst über Polyester und Kunststoffe hinausgeht und nun auch Metalle umfasst, ermöglicht Kosteneinsparungen, Zeitgewinne und eine oft einfachere Transportierbarkeit vor Ort. Dadurch wird die Abhängigkeit von traditionellen Lieferketten minimiert.

Der Ukraine-Krieg hat sich als Feld der Experimente für militärische Zwecke erwiesen. Das Land ist Pionier in der Anwendung von Additiver Fertigung im Einsatzgebiet. So lieferte beispielsweise die Firma Spe3D, ein australisches Unternehmen, mehrere 3D-Drucker des Typs WarpSPEE3D an die US-Marines in Okinawa, Japan. Diese leistungsstarken Drucker ermöglichen die Herstellung von maßgeschneiderten Maschinen, Werkzeugen und Teilen für Panzer und andere gepanzerte Fahrzeuge – und sind kompakt genug, um in Versandcontainern transportiert zu werden.

Trotz der höheren Kosten im Vergleich zur konventionellen Fertigung, bietet der 3D-Druck die Möglichkeit, Teile und Ersatzteile zeitnah vor Ort zu produzieren, was herkömmliche Beschaffungsprozesse überflüssig macht. Die initiale Investition in die Technologie mag hoch sein, aber die Möglichkeit, mehrere Komponenten in einem einzigen Druck zu vereinen, reduziert Materialverschwendung und Montageaufwand, was sich langfristig in Kostensenkungen niederschlägt. Allerdings müssen auch versteckte Kosten berücksichtigt werden, wie z.B. die Verfügbarkeit und die Kosten für Spezialmaterialien, laufende Wartung der Maschinen und qualifiziertes Personal.

Die Ukraine strebt zudem eine kostengünstige Alternative zum Patriot-System an. Ein ukrainisches Unternehmen plant, ab 2027 eine 3D-gedruckte Version des LuftabwehrraketenSystems zu lancieren. Die Technologie hat bereits in anderen Bereichen wie der Herstellung von Drohnen Anwendung gefunden. Ein Drohn des ukrainischen Militärs, der „Sting“ genannt wird, wurde für weniger als 3.000 Euro hergestellt und kann Geschwindigkeiten von bis zu 280 km/h erreichen – und wurde erfolgreich zur Abwehr iranischer Schahid-Drohnen eingesetzt.

Auch der Einsatz von 3D-Druck für kleine militärische Drohnen ist weit verbreitet. Er ermöglicht schnelle Massenproduktion, leichtere Drohnen und die Möglichkeit zur Herstellung von Drohnen direkt am Einsatzort. Die 101. Luftlandetruppenteilung der US-Armee setzt bereits auf 3D-Druck, um die Entwicklung kleinerer unbemannter Flugsysteme voranzutreiben. Der zunehmende Einsatz von Drohnen erfordert defensive Maßnahmen. Die Entwicklung von Drohnenabwehrsystemen ist daher von entscheidender Bedeutung.

Ein Beispiel für die innovative Anwendung der 3D-Technologie ist die Konstruktion von Militärbaracken. ICON und das Texas National Guard haben gemeinsam die größte 3D-gedruckte Struktur in Nordamerika errichtet: einen Barrackskomplex mit 353 Quadratmetern, der bis zu 72 Soldaten beherbergen kann und in Bastrop, Texas, steht. Die Konstruktion erfolgt mit Vulcan, einer fünf Tonnen schweren Druckmaschine, die fast fünf Meter hoch und 14 Meter breit ist. Das Material Lavacrete passt sich den lokalen Umweltbedingungen an und gewährleistet so optimale Leistung und Ästhetik. Diese Technologie ermöglicht den Bau von Militärquartieren schneller und kostengünstiger als traditionelle Methoden. Auch die Herstellung von Landebahnen im Einsatzgebiet profitiert von der 3D-Technologie: ITAMCO und die Purdue University haben gemeinsam eine Landebahn für Militärflugzeuge entwickelt, die auf instabilem Gelände platziert werden kann. Die traditionelle, portable Landebahn AM-2 wird durch diese neue Technologie ersetzt: Sie ist leichter, widerstandsfähiger und kann sich selbst reparieren.

Die Investition in die 3D-Drucktechnologie ist ein strategischer Schritt für Armeen weltweit, der die Flexibilität, die Effizienz und die Reaktionsfähigkeit erhöht. Die Zukunft der Kriegsführung wird dabei zunehmend von additiven Fertigungsprozessen geprägt sein.