Pc-revolution: wie ein tonkasten die spiele veränderte
Vor 40 Jahren schlug ein kleines Unternehmen aus Kanada die Tür zu einer völlig neuen Welt für Gamer und Musikliebhaber auf. AdLib, einst ein unbekannter Name, veränderte mit seiner ersten Soundkarte das Gesicht des Personal Computers für immer.
Die klangfalle der 80er
In den 80er Jahren waren PCs vor allem Bürogeräte oder Werkzeuge für Studenten. Wer Musik hören, Videos ansehen oder klassische Spiele spielen wollte, greift auf Commodore Amigas, Atari STs oder Konsolen zurück. Die PCs selbst boten nur ein schlichtes, beunruhigendes Brummen als Klangausgabe – ein Echo aus Pitzen und Pieptönen, das wenig Hoffnung auf eine ansprechende Audio-Erfahrung bot.

Ein pionier entsteht
Martin Prevel, ein ehemaliger Musiklehrer an der Universität Laval in Quebec, war alles andere als begeistert von der akustischen Qualität der damaligen PCs. Er gründete AdLib, Inc. mit dem Ziel, ein hochwertiges Sound-Kit für PCs zu entwickeln. Die Firma, die ihren Namen von dem lateinischen Ausdruck „ad libitum“ (auf Deutsch: „nach Belieben“) erhielt, war ein kühner Schachzug.

Die adlib-revolution
Im Jahr 1987 präsentierte AdLib die AdLib-Soundkarte, die erste ihrer Art auf dem Markt. Mit der Yamaha YM3892-Chip (später als OPL2 bekannt) erzeugte die Karte poliphonische Musik mit einem Klang, der an synthetische Musik aus den 80er Jahren erinnerte – eine willkommene Abwechslung zu den vorherrschenden Pitzen. Die Karte wurde sofort ein Hit in den Videospielen, insbesondere in der Adventure-Serie „King’s Quest IV“, die von Sierra On-Line und LucasArts mit beeindruckenden Soundtracks ausgestattet wurde.

Der untergang von adlib
Doch der Erfolg der AdLib-Karten war nur von kurzer Dauer. Das Unternehmen, das von Martin Prevels Unwissenheit über den PC-Hardware-Markt und die aggressive Konkurrenz großer asiatischer Hersteller untergraben wurde, geriet in finanzielle Schwierigkeiten. 1989 brachte Creative Technology die Sound Blaster-Soundkarte auf den Markt – ein Durchbruch, der AdLib in den Schatten stellte. Die Sound Blaster bot PCM-Audio für Sprachaufnahmen und Effekte, was den Realismus in den Spielen deutlich erhöhte. AdLibs Gold 1000, ein Versuch, mit Effekten Schritt zu halten, erwies sich als zu spät und wurde von Creative mit der Sound Blaster 16 übertroffen. Das Unternehmen scheiterte 1992.

Das erbe von adlib
Obwohl AdLib schnell verschwand, legte die Soundkarte den Grundstein für die heutige Audio-Technologie in PCs. In den 90er Jahren, mit der Einführung von VGA-Grafikkarten und CD-ROM-Laufwerken, wurden PCs zu leistungsstarken Unterhaltungszentren. AdLib hat einen unschätzbaren Beitrag geleistet, und sein Einfluss ist bis heute spürbar – obwohl die integrierten Soundchips der modernen Mainboards heute die Nase vorn haben.
