Stroustrup: komplexität ist die neue norm in der softwareentwicklung
Der renommierte Informatiker Bjarne Stroustrup hat erneut seine lakonische Meinung zur Frage der besten Programmiersprachen geäußert. Seine Aussage: Die zunehmende Integration von Künstlicher Intelligenz und die gesteigerte Geschwindigkeit der Entwicklung erfordern nicht weniger, sondern eben mehr Komplexität.

Die ironie der fortschritts: mehr komplexität, nicht weniger
Stroustrup, dessen C++-Designpädagogik seit Jahrzehnten Maßstäbe setzt, sieht die Entwicklung in zwei klar gegensätzlichen Kategorien: Einerseits die Programme, die von Menschen kaum berührt werden – und die als „unakzeptabel und beschämend“ abgetan werden. Andererseits die, die kaum Beachtung finden, als „perfekt und pragmatisch“ abgetan werden, aber in der akademischen Forschung oder für experimentelle Projekte ihren Platz finden.
„Es gibt nur zwei Arten von Programmiersprachen“, zitiert Stroustrup in seinem Blog mit einem Augenzwinkern. „Die, die Leute meckern, und die, die niemand benutzt.“ Diese Einschätzung, die mehr als nur eine Beobachtung ist, wirft ein Schlaglicht auf die aktuelle Dynamik der Technologiebranche – und die unweigerliche Tendenz, dass vermeintlich „einfache“ Sprachen durch die Notwendigkeit, komplexe Probleme zu lösen, zunehmend an Komplexität gewinnen.
Die Wahrheit liegt, so Stroustrup, in der Diskrepanz zwischen den modernen, auf Benutzerfreundlichkeit ausgelegten Sprachen und ihren eigentlichen Fähigkeiten. Sie verlassen sich stark auf externe Bibliotheken und erfordern leistungsstarke Umgebungen, was sie letztlich effizienter und flexibler macht – und sie auch unnötig kompliziert. C++, im Gegensatz dazu, ist zwar nicht die größte Sprache im Universum, aber seine lange Tradition in der Industrie und seine Fähigkeit, auch bei großen, kritischen Systemen zuverlässig zu funktionieren, machen ihn zur bevorzugten Wahl für viele.
Die Industrie teilt sich: Die Softwareentwicklung ist somit in zwei Hauptströmungen aufgeteilt. Einerseits die Anwender, die sich über die Erfolge und den breiten Einsatz von Sprachen wie C++, Java und Python beschweren – aber eben auch die, die sie für anspruchsvolle Projekte einsetzen. Andererseits die Nutzer, die sich über die mangelnde Beliebtheit von Sprachen wie Rust oder ähnlichen freuen, die aber als „einfach“ gelten und in der Forschung und Entwicklung ihren Platz haben.
Stroustrup’s finale Worte: „Die Perfektion ist der Feind der Nützlichkeit“, mahnt Stroustrup. Die Wahl der richtigen Sprache hängt letztendlich von der konkreten Aufgabe ab. Es gibt keine allgemeingültige Antwort – nur die Erkenntnis, dass Komplexität nicht zu vermeiden ist, sondern ein unvermeidlicher Bestandteil des Fortschritts ist. Und dass jede scheinbar perfekte Lösung irgendwann zu Unmut führt, wenn sie den Anforderungen der Praxis nicht gerecht wird.”n
