Spanien: arbeitszeitverkürzung und personalengpässe – ein balanceakt für die öffentliche verwaltung

Die spanische Regierung und die Gewerkschaften befinden sich in intensiven Gesprächen über ein neues Arbeitszeitmodell und die bevorstehende Öffentliche Stellenausschreibung (OEP) für 2026. Die Diskussionen, die sich vor allem auf die Anpassung an die veränderte Arbeitswelt konzentrieren, werfen jedoch Fragen nach der Tragfähigkeit des Systems auf.

35-Stunden-woche: ein schritt zur modernisierung, aber mit folgen

Die geplante Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 35 Stunden bedeutet einen deutlichen Rückgang des Arbeitsvolumens – etwa 7,1 %. Dies zwingt die Verwaltung zur Neuausrichtung der Ressourcen und potenziell zu einer verstärkten Einstellung von Personal. Besonders stark betroffen sind Bereiche wie das SEPE (Service Público de Empleo Estatal), die Sozialversicherung und die Ausländerbehörden, die bereits mit der Bearbeitung komplexer Verfahren wie der Regularisierung von Migranten beschäftigt sind.

Die Gewerkschaften warnen vor einer Verschlechterung der Bürgerdienstleistungen, wenn nicht ausreichend Personal nachgesteuert wird. Ein Blick auf die demografische Entwicklung zeigt das Ausmaß des Problems: Im Jahr 2020 waren über 66 % der Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung über 50 Jahre alt, mit einem Durchschnittsalter von über 51 Jahren. Die Zahlen zeigen, dass die Nachwuchserfolge bei weitem nicht ausreichen, um die Abgänge auszugleichen. Bis 2030 wird ein erheblicher Teil der aktuellen Belegschaft in Rente gehen – insbesondere in den Bereichen C2 (22.559 Stellen), C1 (33.861 Stellen) und E (132 Stellen).

Die OEP 2026 soll die Lücke füllen, doch es gibt große Bedenken. Viele Stellen aus früheren Ausschreibungen sind noch nicht besetzt, und die Prozesse sind oft unnötig kompliziert. Kritiker fordern eine schnellere Bearbeitung der Bewerbungen und die Abschaffung der Nachbesetzungsgebühren, die die Flexibilität der Behörden einschränken.

Die Einführung der 35-Stunden-Woche erfordert eine umfassende Umstrukturierung der Arbeitsorganisation. Öffnungszeiten müssen angepasst, Sonderregelungen für Überstunden und Schichtarbeit neu definiert und die interne Planung optimiert werden. Ziel ist die Modernisierung der Verwaltung, die Verbesserung der Work-Life-Balance und die Gewinnung neuer Talente. Aber ohne ausreichende Personalaufstockung droht das System zu kollabieren.

Die OEP 2025 hatte nicht den gewünschten Erfolg: Die Abgänge überstiegen die Neueinstellungen. Dies führte zu Ablehnung der Vereinbarung durch die Gewerkschaften, die nun eine effektivere Stärkung der öffentlichen Dienste fordern. Eine Zahl spricht für sich: Seit 2014 wurden laut CSIF über 20.000 Nettostellen in der öffentlichen Verwaltung verloren.

Die Regierung setzt auf die Modernisierung als Chance, doch die Zeit drängt. Die bestehenden Personalengpässe und die demografische Entwicklung stellen eine enorme Herausforderung dar. Die Reduzierung der Arbeitszeit mag ein wichtiger Schritt sein, doch ohne eine konsequente Personalpolitik wird sie das System nicht retten.